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Kommunikation

Kommunikation ist Verhalten, das anderes Verhalten beeinflusst und aus einer sozialen Kopplung von Menschen resultiert. Der Austausch von Daten oder Signalen ist nur dann nützlich, wenn sie verstanden werden, einen hohen Informationsgehalt besitzen und
die Interaktion zwischen Menschen fördern. Kommunikation ist jedoch keine Informationsübertragung, sondern die Interpretation der Interaktion zwischen
Teilnehmern. Da bei der Kommunikation keine Informationen übertragen werden,
ist nicht das Übermittelte von Interesse, sondern die Reaktion beim Empfänger.
Laut Luhmann: „Kommunikation ist das selbstreferentielle Prozessieren von Selektionen.“
Kommunikation ist somit eine eigenständige autopoietische Operation,
die Daten, Mitteilung und Verstehen zu einer emergenten Einheit verknüpft,
an die weitere Kommunikation anschließen kann.
Ohne Kommunikation kann kein individuelles und kollektives Lernen in Organisationen stattfinden.
Westerbarkey stellt heraus, dass soziale Beziehungen durch Verhaltenserwartungen konstituiert, durch Kommunikation aktualisiert werden und dass durch Metakommunikation (Beobachtung seiner eigenen Kommunikation) bei diesen
eine Verknüpfung von referentiellem und sachlichem Sinn stattfindet.
Kommunikation ermöglicht den Menschen nicht immer neue Dinge zu tun, aber
es befähigt die Menschen einige Dinge deutlich besser zu tun.
Kommunikation kann Gewissheiten ebenso schaffen wie verringern, wobei
ihre Ergebnisse immer Täuschungen oder Enttäuschungen sind.

Erste Axiom für die menschliche Kommunikation (nach Minnig):
Man kann nicht nicht kommunizieren.

Ohne Kommunikation lassen sich soziale Systeme nicht aufbauen.
Für die Zukunft wird hierbei wichtig sein, dass Kommunikation und Sprache nicht nur zwischen Menschen, sondern auch zwischen Mensch und Maschine und zwischen Maschinen stattfinden kann (die non - verbale Kommunikation)

Kommunikation stellt ein höchst sensibles System dar, das letztlich die Wahrnehmungen und Problemlösungen bestimmt.
Das Wesen der Kommunikation ist hierbei die Erzeugung von Mustern und Bedeutungen.

Kommunikationsprozesse sind entscheidend für das Verständnis von Komplexität, da diese einerseits auf Redundanz andererseits auf Emergenz neuer Muster und
Bedeutungen basieren.
(Staehle)

Redundanz
Kommunikationstheorie: das mehrfache Vorhandensein derselben
Information.
Informationstheorie: die Differenz zwischen Nachrichtengehalt
und Entropie.
Entropie (Sozialwissenschaften): die Eigenschaft eines Systems einer Systemkategorie, sich in dieser Kategorie mit eigenen Mitteln verändern zu können.

Die Emergenz (vom lateinischen emergere für „das Auftauchen“, „das Herauskommen“ oder „das Emporsteigen“) ist die spontane Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente.
Emergenz bezeichnet in Philosophie und Psychologie das Phänomen, dass sich bestimmte Eigenschaften eines Ganzen nicht aus seinen Teilen erklären lassen.
"Das Ganze ist mehr als Summe seiner Teile."

Menschliche Gedankeninhalte (Ideen, Konzepte) besitzen Emergenzeigenschaften gegenüber den neurologischen Prozessen und psychischen Akten, aus denen sie entstehen. Ebenso sind Emergenzeffekte bei der Kommunikation von Gedankeninhalten zu erkennen, denn die Eigenschaften von Informationen lassen sich nicht linear aus
den zugrunde liegenden grammatikalischen Strukturen (Buchstabe, Wort) ableiten.
Zwar ist Kommunikation auf Medien wie Papier und Tinte angewiesen, aber aus der physikalischen oder chemischen Beschaffenheit von Tinte und Papier lässt sich nichts über den Inhalt der damit geschriebenen Texte ableiten.

Kommunikation besteht aus vier Stufen:
Die Auswahl einer Mitteilung aus allen möglichen Mitteilungen, die Verschlüsselung
der Mitteilung, deren Übermittlung und deren Entschlüsselung. (Rapoport)
Aus Kunsttherapeutischen Sicht entwickeln sich neue "Archetypen"
- Begriffe statt Dinge (Symbolisierung der objektiven Realität)
- Metasprachen
- Modifizierung alter Wörter (andere Bedeutungen)
- Codierung
- Generalisierung durch Codes
- neue unvorsehbare Verknüpfungen

Kommunikation ist ein Prozess, der auf Selektionen selektiv reagiert, d.h. Selektivität verstärkt. Selektion ist hierbei ein subjektiver Vorgang.
Die Kommunikation ist die notwendige Bedingung, damit neue Bedeutungen durch Differenzen erzeugt werden können. Deshalb ist gelingende Kommunikation nach Überwindung der Differenzen immer das Ende der Kommunikation, da ein vollständiges Verstehen des Anderen eine weitere Kommunikation lahm legt.
Und zum Glück betont Watzlawick: „Die Konfusion schärft unsere Wahrnehmung für kleinste Einzelheiten und somit können lebensrettende Entscheidungen in kritischen Situationen getroffen werden.“

Die Glasfaserverbindungen der Information Highways, auf denen eine asynchrone Datenübertragung stattfindet, sind die filigranen Nervenfasern der telematischen Gesellschaft in unseren digitalen Leben.
Die Interaktivität von Teilnehmern im Rahmen der Kommunikation erzeugt eine Kybernetik 3. Ordnung.
Echtzeit ist ein neues Zeitkonzept, welches das parallele Handeln in fraktalen Cyberwelten ermöglicht. Dieses führt uns zu fraktalen Zeiten, die eine Jetzt - Orientierung beinhalten.
Der Faktor Zeit ist der entscheidende Machtfaktor der telematischen Gesellschaft.